Die Jubiläen

Erforderte die Durchführung oben genannter Gau-Turnfeste auch einen enormen Aufwand von Vorstand und Vereinsmitgliedern, so stellten sie doch Höhepunkte in der 125jährigen Vereinsgeschichte dar. Andere Marksteine in diesen 125 Jahren bilden sicherlich die Jubiläen, die vom Turnverein in entsprechender, würdiger Form gefeiert wurden.

Schon das einjährige Stiftungsfest feierten Vereinsmitglieder und Bürgerschaft im „Rappen“ mit einem festlichen Abend und Ball. Die Programmpunkte kann man in einem eigens hierfür gedruckten „Flyer“ nachlesen.

1908 rüstete man zum 25jährigen Stiftungsfest, welches am 7. und 8. November in der nunmehr erbauten Turnhalle sehr aufwendig gefeiert wurde. Studiert man das Festprogramm, welches in künstlerischer Form gedruckt, zum Besuch einlud, so erkennt man eine unterhaltsame Mischung aus Festreden, Ehrungen, musikalischen und turnerischen Vorträgen, an denen sich die Grünberger Bevölkerung und die Festgäste zwei Tage lang erfreuten.

Beeindruckend, wenn auch aus heutiger Sicht „gewöhnungsbedürftig“, ist die von hohen Idealen getragene und mit vielen Metaphern geschmückte, poetisch anmutende Festrede des Ehrenvorsitzenden Karl Hermann Jöckel . Ganz im Sinne Jahns lässt er Höhepunkte aus dem Vereinsleben lebendig werden. So erwähnt er, wie er bei Vereinsgründung die alte Turnerfahne in Schwarz-Rot-Gold wieder als Relikt  übernehmen durfte. Ein Beweis, dass die Fahne, die ja heute noch ein Symbol der Vereinsexistenz darstellt, wesentlich älter ist als 125 Jahre. Nachzulesen das Ganze im Grünberger Anzeiger Nr. 132 von 1908.

1933 stand das 50jährige Jubiläum an. Da der Erweiterungsbau der Turnhalle im Dezember des gleichen Jahres fertiggestellt wurde, legten die Verantwortlichen Einweihungsfest und Jubiläumsfeier auf einen Termin, den 10. Dezember.

Der Turnverein hatte nun weitere 25 Jahre überdauert und wurde weiterhin getragen von Sportlern, die sich für die Sache des Turnens begeisterten und engagierten, und das oft gegen widrige äußere Einflüsse. Die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse hatten sich mehrfach geändert und gewandelt, damit verbunden auch die sportlichen Inhalte der Vereine. Es soll an anderer Stelle noch einmal darauf eingegangen werden.

Die Jubiläumsfeier fing am Nachmittag mit dem Einmarsch in die neue Turnhalle an und zog sich, begleitet von vielen Reden politischer Prominenz und Vertretern der Sportverbände und Vereine, turnerischen Darbietungen (Hessenriege, Vereinsturner) und musikalischer Unterhaltung, bis in den späten Abend hin (Grünberger Anzeiger vom 12. Dezember 1933).

In der nächsten Phase bis zum 75jährigen Jubiläum hatte der Verein schwere Existenzkrisen zu bestehen und zu überwinden. Wiederum warf ein verhängnisvolles Ereignis, der II. Weltkrieg, die Menschen aus ihrer Lebensbahn und brachte auch das Vereinsleben zum Erliegen.

Im nächsten Kapitel soll dem Leser diese Situation noch etwas ausführlicher dargelegt werden.

Am 8. November 1958 konnte der Verein, jetzt als TSV Grünberg 1883, in der Turnhalle das 75jährige Jubiläum begehen. Ältere Grünberger können sich sicher an diesen Abend erinnern. Die Bühne war mit den städtischen Vereinsfahnen geschmückt. Eine überdimensionale Fahne des DTB mit dem Logo 75 Jahre hing an den Kulissen herunter. Hier auf der Bühne konnten die Kinder, Jugendlichen und auch Aktiven des Vereins einmal ihr Können und ihren Eifer einer größeren Zuschauerkulisse zur Schau stellen. Es war für die Protagonisten eine aufregende, spannende Sache. Die Bühne war es auch, wo der 1. Vorsitzende Werner Schröder die vielen Glückwünsche und Ehrungen entgegennahm und die Festreden gehalten wurden. An diesem Abend konnte keiner ahnen, dass das nächste Jubiläum so nicht mehr gefeiert werden konnte. Die alte, ehrwürdige Turnhalle mit ihren gusseisernen Säulen, der Empore im hinteren Teil, ihren langen Tischreihen und der großen, von langen Vorhängen gesäumten Bühne, existierte zum Zeitpunkt des 100jährigen Stiftungsfestes nicht mehr.

Dieses vierte große Vereinsjubiläum im Jahre 1983 ließ nun einen anderen Ausführungsstil erkennen. Es wurde nicht an einem einzigen Tag gefeiert, sondern die Veranstaltungen zogen sich das ganze Jahr 1983 hindurch. Die Durchführung war auch nicht mehr reine Vorstandsangelegenheit, sondern verteilte sich auf die Abteilungen. Der Festkommers fand am 4. Juni 1983 abends in der Gallushalle statt. An jenem Abend sehnte sich sicher mancher Grünberger nach der alten Turn­halle, der Heimat der TSVler zurück.

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